Umstrittene Straßennamen in Fürstenfeldbruck – es besteht Handlungsbedarf!

Mit großem Interesse, oft aber auch mit Verwunderung und Empörung, haben wir als Bündnis Fürstenfeldbruck ist bunt – nicht braun! das Brucker Hin und Her in diesem Zusammenhang mitverfolgt. Auch bei unseren Treffen wurde über dieses Thema immer wieder lebhaft und teilweise auch kontrovers diskutiert und eine gemeinsame Position entwickelt.

Dabei haben wir uns zuletzt besonders auf 2 Namen konzentriert:

Julius Langbehn
Julius Langbehn

Julius Langbehn: Antisemit, Menschenfeind, Wegbereiter des Nationalsozialismus

Wernher von Braun mit SS-Offizieren in Peenemünde Foto
Wernher von Braun mit SS-Offizieren in Peenemünde / Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1978-Anh.023-02 / CC-BY-SA 3.0

Wernher von Braun: Nationalsozialist, Raumfahrtpionier, nutzte den Nationalsozialismus mit seinen Vernichtungsprogrammen für seine Zwecke

 

Für uns steht außer Frage, dass Straßen mit solchen belasteten Namen nicht in unsere demokratische Landschaft passen. Eine Umbenennung wäre in diesen Fällen der einzig richtige Weg. Wir finden es erschreckend, dass dies nach inzwischen über 70 Jahren Befreiung vom Nationalsozialismus noch immer keine Selbstverständlichkeit ist.

 

Hierbei geht es uns nicht um die Tilgung dieser Namen für alle Zeiten, nein, wir fordern gelichzeitig eine intensive, verantwortungsvolle und offene Aufarbeitung, um den geschichtlichen Zusammenhang herzustellen. Wer waren diese Menschen? Wer hat wann warum diese Straßennamen ausgewählt? Gab es Widerstand dagegen? Alles Fragestellungen, die sich auch bestens für Projekte etwa für den Geschichtsunterricht der Schulen eignen.

Dass aber geschichtliche Aufklärungsarbeit nicht nur an den Schulen wichtig ist, zeigte so manche Äußerung auf den Bürgerversammlungen, von der Verharmlosung von Langbehns rassistischen Äußerungen durch einen Teilnehmer bis zum leider allzu bekannten Ruf nach einem „Schlussstrich“– die Presse berichtete. Wer z.B. Langbehns Bedeutung für die Entstehung von Nationalsozialismus mit seiner Vernichtungs- und Kriegsmaschinerie herunterspielt oder sogar ignoriert, zeigt im besten Fall vielleicht „nur“, dass er nicht richtig informiert ist. Eine bewusste Verharmlosung oder sogar Sympathie für solch antisemitisches Gedankengut können wir besonders in Zeiten von Pegida und AfD mit ihren rassistischen und islamfeindlichen Äußerungen nicht zulassen, dem muss deutlich widersprochen werden!

Wir als Bündnis sehen durchaus die Komplexität der ganzen Thematik:

  • die praktischen, auch finanziellen Auswirkungen einer Umbenennung
  • die Schwierigkeit, die zeitgeschichtliche Aufklärung nicht aus dem Auge zu verlieren
  • die Aufgabe, dann alternative Namen für die jeweiligen Straßen, z.B. von Widerstandskämpfern aus unserem Landkreis, zu finden, zu diskutieren und zu beschließen
  • auch das gerne vorgebrachte Argument, der eine oder andere hätte ja auch Positives bewirkt. In diesem Zusammenhang werden z.B. bei Wernher von Braun gerne seine Leistungen für die Raumfahrt angeführt. Aber Vorsicht – wer hier nicht aufpasst, macht sich leicht mit denen gemein, die auch mal gerne die „großartigen Leistungen“ Hitlers beim Autobahnbau erwähnen.

Bei dieser Komplexität scheint es auf den ersten Blick logisch, diese ganze Problematik durch das Aufstellen entsprechender Infotafeln lösen zu wollen und das als Kompromissvorschlag für beide Seiten, Umbenennungsgegner wie -befürworter, zu favorisieren.

Doch niemand kann garantieren, dass solche Tafeln nur in unserem Sinn zur Aufklärung gegen Faschismus und alle seine gefährlichen Ausprägungen dienen werden. Sie könnten genauso gut als Ehrung missverstanden, missbraucht werden, wenn da etwa stünde: „Julius Langbehn – Schriftsteller und Antisemit“.

 

Deshalb sind Infotafeln, oder auch Stelen, in diesem Fall lediglich für den Übergang sinnvoll, da sind sie sogar geboten. Doch sollten sich Kulturausschuss und Stadtrat wirklich dem z.B. auf den Bürgerversammlungen geäußerten Bürgerwillen gegen eine Umbenennung beugen und sich für solche Tafeln als Lösung des Problems entscheiden – auf Briefumschlägen, im Netz, auf Visitenkarten…prangen dann diese unsäglichen Namen weiter und stehen dann immer noch weltweit für eine Verbindung zwischen Fürstenfeldbruck und diesen Personen.

Wollen wir das wirklich?

Aus diesen Ausführungen ergibt sich unserer Meinung nach klar die Notwendigkeit der Straßenumbenennung verbunden mit intensiver Geschichtsaufarbeitung an Schulen und in der Bevölkerung, gerne auch in Zusammenarbeit mit unserem Bündnis. Nach erfolgter Umbenennung sollte in geeigneter Form dann auch vor Ort ausführlich an diesen ganzen Vorgang erinnert werden. Denn auch er ist und bleibt dann Teil unserer Geschichte.

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